von Karina Sturm.

Häufig sind Menschen mit chronischen Krankheiten darauf angewiesen größere Distanzen zu ihren Ärzten zurückzulegen, wenn sie optimal versorgt werden wollen. Doch sind viele von uns stark eingeschränkt – sei es körperlich oder mental oder sogar beides.

Deshalb ist es umso wichtiger einige Dinge zu beherzigen, um möglichst wenig Energie zu verschwenden.

Spontan zu verreisen ist sicher ganz nett, aber für Menschen mit chronischen Krankheiten schwer umzusetzen.

Vor allem eine längere Reise, die vielleicht sogar über Landesgrenzen hinaus geht, sollte gut geplant sein.

Vor der Reise

  • To-Do: Erstelle eine Liste mit Dingen, die zu erledigen sind und mit wichtigen Bestandteilen deines Gepäcks, die du auf gar keinen Fall vergessen willst.
  • Versicherungen: Schließe unbedingt eine Auslandsreisekrankenversicherung ab, denn medizinische Notfälle können sehr teuer werden. Evtl. bietet sich auch eine Reiserücktrittsversicherung an, wenn dein Zustand sich kurzfristig ändern könnte.
  • Termine: Lasse dir alle deine Termine im Ausland via E-Mail bestätigen und erkundige dich ca. eine Woche vor dem Termin noch einmal nach der genauen Location und Zeit deines Termins. Du willst keine lange Reise auf dich nehmen, um dann festzustellen, dass du gar keinen Termin hast.
  • Medikamente: Berechne die Menge der Medikamente, die du brauchen wirst und besorge diese rechtzeitig bei deinem Arzt. Am Besten sollte ein Überschuss vorhanden sein, falls auf der Reise irgendetwas unplanbares passiert.
  • Telefon: Im Ausland sind die Tarife zum Telefonieren häufig teuer. Eine Alternative ist sich z. B. ein Skype-Guthaben zu besorgen, dann kann weltweit über Skype zu günstigen Konditionen telefoniert werden.
  • Hotelbuchung:
    • Buche das Hotel das die meisten Vorteile bietet.
    • Distanz zur Arztpraxis? Distanz zu Versorgungsmöglichkeiten?
    • Gute Schnäppchen kann man z. B. auf Hotwire oder AirBnB machen.
  • Transport zwischen Hotel und Arzt:
    • Plane rechtzeitig wie du von deiner Unterkunft zu deinem Arzttermin kommst und lasse genug Pufferzeit.
    • Eine günstige Option zum Taxi ist Uber.
    • Falls ihr lieber Taxi fahrt, ist es sinnvoll sich diese schon vorzubestellen.
  • Flugbuchung:
    • Fluggesellschaften zwischen Deutschland und dem Ausland gibt es viele. Ich fliege nach wie vor meistens mit Lufthansa, aus dem einfachen Grund, dass für den Fall eines unvorhersehbaren Ereignisses, wie z. B. Unwetter, die Flüge am deutschen Flughafen umbuchbar sind.
    • Bei Buchungen von Flügen achte ich darauf einen Außensitzplatz zu haben, um meine Beine ausstrecken zu können. Ich buche Plätze, die in der Nähe der Toilette sind, um langes Warten zu vermeiden.
    • Bei vielen Airlines wie z. B. Lufthansa gibt es mittlerweile eine Klasse zwischen der Economy- und Businessclass, die Premium-Economy, die einem mehr Beinfreiheit und somit auch mehr Komfort bietet.
    • Für Menschen die Probleme mit Schmerzen im Rücken, HWS-Instabilitäten oder ähnliches haben: reserviert einen Sitzplatz der direkt vor einer Trennwand ist. Das ermöglicht euch, dass ihr euch den kompletten Flug zurücklehnen könnt ohne dass sich jemand daran stört UND dass niemand kontinuierlich von hinten gegen euren Sitz tritt.
    • Des Weiteren kann man schon bei der Buchung eine Spezialmahlzeit bestellen. Es gibt fast alles an Spezialmahlzeiten außer histaminfrei.
  • Mobility Service:
    • Die Wege an Flughäfen können sehr weit sein. Deshalb bieten alle Fluggesellschaften einen kostenlosen Mobility-Service an. D. h. bei Flugbuchung kann ein Rollstuhl mitgebucht werden. Ich kann dies vor allem bei langen Flügen nur empfehlen.
    • Ich nutze diesen Service meistens, wenn ich an großen Flughäfen zu meinem Anschlussflug muss. Bitte lasst euch nicht davon abbringen, nur weil ihr den ein oder anderen Blick zugeworfen bekommt. Ich habe auf noch keiner Reise nicht mindestens einmal erklären müssen, warum ich denn laufen kann und trotzdem einen Rollstuhl buche oder wie man denn in dem Alter krank sein kann usw. Ihr kennt ja die typischen Sprüche. Es war mir anfangs extrem unangenehm und ich habe lieber eine Verschlechterung in Kauf genommen, als dass ich diesen Service genutzt hätte. Aber das ist Blödsinn. Ihr wollt doch möglichst unbeschadet von A nach B kommen und dieser Service ist genau dafür da. Es geht darum Menschen mit Einschränkungen zu helfen. Also nehmt diese Hilfe an.
  • Bei Flügen in die USA:
    • Bedenke, dass du ein Visum oder ESTA brauchst. Außerdem müssen online bei der Fluggesellschaft einige Angaben gemacht werden. Fülle diese Dinge rechtzeitig vor dem Flug aus, sonst wird dir die Einreise verweigert.
    • Achtet darauf, dass ihr genug Zeit einplant, um euren Anschlussflug zu erreichen.
    • Ich plane bei Langstreckenflügen ein Minimum von zwei Studen ein.

Fliegen ist für mich nach wie vor die bequemste Art zu reisen.

  • Bahn:
    • Bei Reisen ins Ausland mit der Bahn kannst du mit Schwerbehinderung evtl. vergünstigt reisen bzw. eine Begleitperson mitnehmen.
    • Unbedingt immer einen Sitzplatz buchen!
    • Auch hier gilt genug Zeit zum Umsteigen einzuplanen.
  • Bus:
    • Auch bei manchen Fernbusanbietern kann man bei Vorlage des GdBs eine Vergünstigung erhalten. Jedoch ist dies nur für Menschen geeignet, die den Bus selbstständig betreten können.
    • Wie bei Flug und Bahn solltet ihr auch hier Zeit zum Umsteigen einplanen.
    • Fernbusse sind momentan die günstigste Alternative zu verreisen, jedoch nur begrenzt ins Ausland möglich.
  • Reisedokumente:
    • Einige Länder haben strenge Einreisebestimmungen. Beantrage also rechtzeitig Reisepass oder Visum.
    • Bei schwerwiegenden Erkrankungen, die auf Reisen ein Problem werden könnten und vor allem wenn du alleine reist, wäre es gut Notfalldokumente, wie einen Notfallausweis, ein Armband oder eine Kette in englischer Sprache zu besitzen und diese deutlich sichtbar am Körper zu tragen.
    • Bei Mitnahme von Medikamenten in Flugzeugen gelten strenge Auflagen. Sollten Flüssigkeiten, Spritzen oder Betäubungsmittel mitgeführt werden, ist es sinnvoll, sich vorher bei der Fluggesellschaft zu erkundigen welche Papiere notwendig sind (meist genügt ein ärztliches Attest).
    • Außerdem sollten alle nötigen medizinischen Unterlagen in Kopie mitgeführt werden.
  • Bei Reisen in die USA:
    • Kopiere die Rechnung für Laptop und Handy, denn bei der Wiedereinreise nach Deutschland könntest du am Zoll verdächtigt werden, diese Gegenstände in den USA erworben zu haben.
    • In den USA wirst du einem Immigration Officer einige Fragen beantworten müssen. Unter anderem ist es wichtig dort immer ehrlich zu sein und Zweifel auszuräumen, in dem man alle möglichen Dokumente vorlegen kann.
    • Drucke dir also die E-Mails mit den Daten deiner Arztterminen, einen Kontoauszug, der zeigt, dass du genug Geld für deine Termine hast und eine Bestätigung des Rückfluges aus.
    • Informiere dich außerdem über die jeweiligen Zollbestimmungen und darüber, was in die USA eingeführt werden darf und was nicht!
  • Packen:
    • Alle wichtigen Dinge gehören ins Handgepäck. D. h. alle Medikamente, die du brauchst, alle medizinischen Hilfsmittel, sowie Notfallausweise gehören hier hinein.
    • Ich würde dringend dazu raten einen Handgepäckskoffer mit vier Rollen zu wählen, denn diese sind viel leichter zu schieben. Alternativ dazu gibt es auch Rucksäcke mit Rollen, die mehr Fächer zum Verstauen von z. B. Medikamenten haben.
    • Mein Handgepäck besteht aus einem kleinen leichten Rucksack, in den ich nur wenige wichtige Dinge packe, wie Notfallmedikamente und Geldbörsen und aus einem Rucksack mit Rollen, in dem Halskrausen, Bandagen, Gehstock, Sitzkissen, Getränke und Brezen sind.
    • Achtet darauf, dass das Gepäck weder zulässige Größe noch Gewicht überschreitet.
  • Für Flüge in die USA:
    • Für den Fall, dass die TSA euren Koffer öffnen möchte, braucht ihr ein TSA-Schloss, ansonsten wird es aufgebrochen.

Auf der Reise

  • Allgemein:
    • Genügend Flüssigkeit ist immer wichtig. Menschen die bestimmte Nahrungsmittel nicht vertragen, sollten immer ihre eigenen Mahlzeiten dabei haben.
    • Bequeme Kleidung und Schuhe tragen.
    • Bandagen, Orthesen, Gehhilfen oder alles was nötig ist, um die Strecke unbeschadet zurückzulegen, mitführen.
    • Ich trage immer meine Kompressionsstrumpfhose, habe einen Gehstock, mehrere Bandagen für fast alle Gelenke und zwei verschiedene Halskrausen dabei.
  • Flug:
    • Flugreisen sind anstrengend. Der unterschiedliche Druck, die trockene Luft, der beengte Raum und zudem die langen Strecken, die von Flugzeug zu Flugzeug zurückzulegen sind. Um den Ablauf etwas angenehmer zu gestalten, kann man einige Dinge beachten.
  • Handgepäck:
    • Im Handgepäck sollten Flüssigkeiten, Medikamente und Laptop leicht zugänglich verstaut werden, denn an der Security müssen diese einzeln vorgezeigt werden.
  • Mobility-Assistance:
    • Wenn du bei der Buchung einen Rollstuhl gebucht hast, ist es hilfreich dies direkt bei der Gepäckabgabe zu sagen. Du wirst dann von dort bis zu deinem Gate in einem Rollstuhl oder einem elektronischen Auto gebracht. Das Vorzeigen eines Schwerbehindertenausweises ist hier nicht nötig.
  • Im Flugzeug:
    • Trinke ganz viel Wasser und vermeide Alkohol.
    • Ich habe auf jedem Flug Brezen dabei, denn das Essen bekommt mir meistens nicht gut. Ich trage Kleidung die nirgends drückt und ändere häufig meine Sitzposition. Ab und an aufstehen und den Gang auf und ab laufen ist auch hilfreich. Außerdem benutze ich ein Memory-Foam-Sitzkissen, was wirklich Wunder für meinen Rücken bewirkt. Natürlich trage ich den ganzen Flug wegen möglicher Turbulenzen eine Halskrause.
  • Bus/Bahn:
    • Die mittigen Sitzplätze im Bus haben in der Regel die geringste Erschütterung.
    • Das Handgepäck sollte möglichst leicht sein, denn in Bus und Bahn muss es selbst getragen werden.

Nach der Reise:

  • Es sollten ein paar Tage zur Erholung eingeplant werden. Vor allem eine größere Zeitverschiebung kann stressig für den Körper sein.
  • Für mich ist der erste Tag immer der Wichtigste. Direkt einen normalen Schlaf-Wach-Rhythmus zu bekommen, ist von großer Bedeutung. Deshalb versuche ich bei Reisen in die USA immer so lange wach zu bleiben wie ich nur kann, um nachts möglichst durchzuschlafen.
  • Nicht nur die andere Zeitzone, sondern auch Klimaänderungen, andere Essensgewohnheiten und das neue Umfeld sind Stressfaktoren. Erlaubt euch also eine Eingewöhnungsphase, um keine massive Verschlechterung zu riskieren.

Krankheiten, wie das Mastzellaktivierungssyndrom sind auf Reisen eine Herausforderung.

Lest hier mehr über meinen Umgang mit der Erkrankung.

Habt ihr Tipps und Tricks auf Reisen, die ihr gerne teilen wollt?

Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

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