von Christine Isselhardt

 

Er: „Sie waren schon einmal bei mir?“

Ich: „Ja.“

 

Kinn nickt zur Arzthelferin.

Sie dreht den Bildschirm in seine Richtung.

 

Er: „Und? Besser?“

Ich: „Nein, ich habe …“

Er unterbricht: „Sie haben von mir zwei Medikamente bekommen. Die sollten eigentlich helfen.“

Ich: „Das stimmt. Ich habe zwei Medikamente von Ihnen bekommen. Aber Sie müssen wissen, dass bei mir eine Gerinnungsstörung vorliegt und das eine Medikament hemmt diese noch zusätzlich.

Als ich mich geschnitten habe, wäre ich fast verblutet.

Und das andere Medikament, …“

Er unterbricht: „Das würde aber helfen, wenn Sie es nehmen würden. Wo ist ihr Schmerzprotokoll? Aha, sehen Sie, da ist es schon besser. Da lässt der Schmerz nach!“

Ich unterbreche: „Da am Rand habe ich aufnotiert, dass ich das Medikament abgesetzt habe. Danach ging es mir besser!“

Er schnaubt: „Und das andere hat Ihnen aber zum Durchschlafen verholfen. Das nehmen Sie noch!“

Christine Isselhardt

Ich: „Äh, nein. Das habe ich schon früher abgesetzt. Es ist ein Psychopharmaka. Die Schmerzen haben mich weiterhin aufgeweckt. Ich habe weiterhin nicht geschlafen, aber es war mir zunehmend egal. Blöderweise hat mich das Medikament den Tag über so benommen gemacht, dass ich nicht mal in der Lage war das kleinste Pensum an Körperertüchtigung zu leisten, was für mich lebensnotwendig wäre.“

Er: „Tja, und was wollen Sie dann von mir?“

Ich: „Nun, ich sollte mich bei Ihnen nochmals vorstellen, weil Sie sich ja mit Ehlers-Danlos-Syndrom auskennen und einige Patienten haben. Haben Sie mir beim letzen Mal gesagt.“

Er strahlt: „Stimmt, ich erinnere mich. Gut, dann würde ich sagen …“

Ich unterbreche und deute auf meine Halskrause: „Auf meiner Überweisung steht „instabile Halswirbelsäule bei Ehlers-Danlos-Syndrom.“

Er: „Glauben Sie, ich weiß jetzt noch, was auf all den Überweisungen steht?“

Ich: „Naja, aber mein Hausarzt möchte gerne von Ihnen, dass Sie was zu meiner instabilen Halswirbelsäule sagen, bzw. schreiben … weil Sie sich ja damit auskennen.”

Er: „Sie haben da Schmerzen?“

Ich: „Schon, das Ding ist ja instabil und das führt dann …“

Er unterbricht: „Da werde ich Sie doch am besten mal zu einem Kollegen überstellen. Ins Schmerzzentrum. Termin bei mir machen Sie bitte, wenn Sie den Arztbrief haben. Auf Wiedersehen.“

Ich sage gar nichts mehr.

2 Kommentare
  1. Ulrike Walder sagte:

    Das ist typisch für 90 % der Ärzte. Der Zeitdruck ist so enorm hoch,dass die Empathie auf der Strecke bleibt. Das hat die Masse der Patienten selber verschuldet : rennen mit kleinsten Wehwehchen oder mit Internetdiagnosen gleich zum Facharzt, anstatt Selbstheilung oder Hausarzt zuerst. Damit werden die Termine blockiert und die wirklich Kranken immer schlechter versorgt.Hier bei uns wartet man 8 Wochen auf Termin für weniger als 10 min im Sprechzimmer. Ausweg für die Schwerkranken wahrscheinlich zur Zeit nur die Ambulanzen der Unikliniken, dort gibt es kaum Zeitvorgaben und die jungen Ärzte geben sich meist noch richtig Mühe und man ist nahe an den neuesten Forschungsergebnissen.
    Wümsche Dir viel Erfolg auf der Suche nach Ärzten Deines Vertrauens.

    Antworten
    • karinabutterfly sagte:

      Liebe Ulrike, ich stimme dir teilweise zu. Was ich jedoch eher nicht so hilfreich finde ist, andere Patienten als Schuldige zu bezeichnen bzw. deren Beschwerden als Wehwehchen abzutun. Wie kann man denn wissen ob jemand “nur” was kleines hat oder schwer krank ist. Ich finde die Aussage Wehwehchen für viele Menschen recht abwertend und vermutlich jeder mit EDS wurde irgendwann mal nicht ernst genommen von Ärzten oder anderen Menschen. Daher finde ich, müssen gerade wir, aufhören über andere zu urteilen, denn keiner von uns kann wirklich wissen worunter der Mensch gegenüber leidet. Und gerade so eine Einstellung wird uns doch oft von Ärzten entgegengebracht und das sehe ich als Hauptproblem. Nicht die Patienten die mit mir warten sind das Problem, sondern der Arzt der die Einstellung vertritt, er müsse nach 5 Minuten mit mir fertig sein. Ich sehe da eher das Gesundheitssystem als Ursache und nicht die Mitbetroffenen oder Patienten. Die legen das Budget fest. Die Zeiteinteilung entscheidet doch immer noch der Arzt selbst…

      Auch “Internetdiagnosen” sind nicht immer nur schlecht. Klar ist das Internet immer auch ein Problem weil viel falsches Wissen unter den guten Seiten ist, aber in Bezug auf seltene Krankheiten ist es doch immens wichtig. Viele EDSer kommen erst über Internetseiten auf ihre Diagnose. Die meisten von uns haben entweder selbst ihre Diagnose gefunden oder informieren sich online über Therapiemöglichkeiten, Ärzte usw. Ohne Internet und die dortigen Informationen wäre ich in Deutschland nicht so gut versorgt worden. Im Bereich seltene Erkrankungen gibt es leider nicht so viele Möglichkeiten für Informationen außerhalb des Internets. Daher sehe ich das als eher positiv an.

      Mit Ambulanzen der Uni Klinik habe ich sehr schlechte Erfahrungen gemacht. Dort war weder aktuelles Wissen noch mehr Zeit vorhanden als bei ambulanten Ärzten. Aber da gibt es ganz unterschiedliche Berichte. Warum allerdings Ärzte im Krankenhaus mehr Zeit zum Lesen von Forschungsergebnis haben sollten als niedergelassene Mediziner weiß ich nicht. Ich glaub das hat mehr mit persönlichen Interessen der Ärzte zu tun.

      Insgesamt muss ich aber auch mal anmerken, dass es in Bezug auf EDS mittlerweile doch schon einige sehr engagierte, leidenschaftliche und nette Ärzte gibt die sich viel Zeit für uns nehmen (obwohl sie das nicht bezahlt bekommen).

      Gruß

      Karina

      Antworten

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