von Jutta Jurenda

Juli 2015

Ein ganz normaler Morgen. Er beginnt damit, dass ich zur Toilette ging, wie jeden Morgen. Da sitzend erwischte es mich. „Nun weißt Du, was ein Hexenschuss ist!“, ging es mir durch den Kopf. Die Schmerzen waren fürchterlich.

Trotzdem musste ich an diesem Tag wegen Halsschmerzen zum Hals-Nasen-Ohrenarzt. Unter fürchterlichen Anstrengungen fuhr ich mit dem Rad dort hin.

Diagnose: Kehlkopfentzündung. Therapie: Antibiotika.

Wegen der Beckenschmerzen machte ich mir keine großen Sorgen und fuhr nach Hause. „Am nächsten Tag wird’s schon besser sein“, dachte ich mir. Was für ein Irrtum!

Also ab zur Hausärztin am nächsten Tag, einem Freitag. Sie versuchte es mit Akupunktur – brachte auch keine Linderung. Dann weiter zum Orthopäden, noch am selbigen Tag. Diagnose: ein eingeklemmter Nerv. Chiropraktik versucht – half auch nicht. Danach kamen Spritzen. Natürlich wurde der Bereich auch geröntgt: und wieder nichts festzustellen.

Auch am Wochenende wurden die Beschwerden nicht besser. Montags erschien ich erneut beim Orthopäden. Mittlerweile hatte ich starke Schmerzen links oben im Schulterbereich. Die Lösung des Arztes: wieder Chiropraktik, erneut Spritzen.

Am Wochenende darauf landete ich wegen der starken Schmerzen im Krankenhaus. Zum wiederholten Mal wurde geröntgt – wieder nichts gefunden. Man gab mir Novalgin Schmerztropfen in der höchsten Dosis, die trotzdem nicht wirkte. Ich rieb die Stellen mit Tigerbalm rot ein, was vorübergehende Linderung brachte.

Weitere drei Wochen später hatte ich dann plötzlich Probleme auf der rechten Schulterseite. Es dauerte nicht lange, dann fing auch vorne die rechte Brustseite an zu schmerzen. Beim Einreiben mit Tigerbalm erschrak ich fürchterlich! Ich tastete einen Knoten in meiner Brust!

Ab zur Frauenärztin, Überweisung zum Röntgen. Die Diagnose: ein Geschwulst, muss sofort operiert werden. Nach Rückgespräch mit meiner Frauenärztin am Montag, lag ich Mittwochs schon im Krankenhaus zur Brustbiopsie. Das Ergebnis erhielt ich am nächsten Tag: Ich hatte Brustkrebs.

Diese Diagnose haute mich nicht um, hatte doch meine Mutter selbst zweimal Brustkrebs überlebt. Es folgte eine Leberbiopsie und auch noch eine Beckenknochenbiopsie. Ergebnis: Lebermetastasen und Knochenmetastasen. Die Diagnose haute mich um. Ich fühlte mich hilflos wie ein kleines Kind und weinte hemmungslos.

Sechs Chemos später – zu der siebten sollte es nicht mehr kommen – fragte mich die Ärztin, wie ich mich fühlen würde und ich sagte, soweit sei alles ganz gut, abgesehen von ein bisschen Schmerzen im Nackenbereich. Daraufhin meinte sie, ich solle doch vor der Chemo zum Scan kommen, was ich dann auch tat. Die Chemo fand nach den Scan-Ergebnissen nicht mehr statt. Mein oberster Halswirbel drohte durchzubrechen!

Ich wurde als Notfall dort behalten und der erste Halswirbel wurde mit Zement aufgefüllt.

Danach habe ich im Internet nach möglichen anderen Betroffenen gegoogelt, die meine Erkrankungen haben, fand aber nicht wirklich was dazu. Später wurde ich auf Karina aufmerksam und stellte fest, dass bei mir einige Symptome ähnlich sind.

Heute, 2017, schaffe ich es, durch Kraft und Willen, einigermaßen ohne Halskrause zu laufen und meine Lebermetastasen sind im CT nicht mehr nachweisbar. Nun gilt es, noch meine Knochenmetastasen zu besiegen.

Ach ja, ich sehe auch Positives in und durch meine Krankheit: Ich war in der Lage, nach Amerika zu fliegen; ich habe wieder ein Auto; mir geht es finanziell gut.

 

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