Manuela Schneider lebt mit unzähligen Tarlov-Zysten und ist chronische Schmerzpatientin.

von Manuela Schneider

 

Man denkt sein ganzes Leben man muss allen etwas beweisen und viel erreichen. Am besten Karriere machen, unersetzlich sein in der Firma, auf teure Reisen gehen oder tolle Klamotten kaufen. Man ist stolz auf das was man leistet und dann eines Tages ist plötzlich nichts mehr wie es war. 

Das ganze bekannte Kartenhaus bricht zusammen. Ein Unfall verändert alles. Eine Karambolage auf der Autobahn ist der Startschuss für 13 Jahre Schmerzpatiententum. Man drifted dahin zwischen Hoffnung, Verzweiflung, Selbstmitleid, Hass und ”Ich-muss-funktionieren”-Modus. Man sagt fünf Ärzte sechs Meinungen und das stimmt. Man ergibt sich voller Demut in verschiedene Operationen, denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. 

12 Jahre dauerte es bis man wusste was meine Tarlov-Zysten sind und wie gefährlich in meinem Fall. Und dann, eines Tages, wacht man auf und denkt “ich hatte doch noch Träume und Wünsche” und warum eigentlich nicht, warum nicht an Träumen festhalten. 

Ich habe gelernt das Schmerzpatienten oft missverstanden werden und von den Behörden oft wirklich schäbig behandelt, aber ich habe auch verstanden, dass wir chronisch kranke Menschen, die stärksten Menschen auf diesem Planet sind, denn was wir ertragen, schaffen andere nicht. 

Und in diesem Sinne kann ich nur jedem Schmerzpatient raten, stolz zu sein. Es ist nicht ein versagender Körper, sondern eine starke Persönlichkeit, die diesen steinigen Weg geht, langsam, aber mit starken Schritten. Man muss sich bewusst machen, dass wir alle besondere Menschen sind. Man muss sich nicht dauernd rechtfertigen. 

Wir auf diesem Blog wissen, wie es ist, wenn man dauernd angezweifelt wird. Ich fing tatsächlich an meine Träume zu leben, schreibe Bücher und setze mir noch Ziele. Ohne meine Krankheiten hätte ich es nicht gewagt meine Träume zu leben, weil ich gefangen war in den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. 

Heute bin ich gefangen in täglichem Schmerz, aber dennoch frei, denn ich nehme mir das Recht heraus nicht mehr funktionieren zu müssen, weil ich es nicht mehr kann und auch nicht mehr will. 

Also schaut alle mit Stolz in den Spiegel; trotz allem oder gerade deshalb.

 

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