von Karina Sturm 

 

„Was gibt’s heute zu essen?”, schreibt mir Markus in einer SMS.

„Teriyaki-Billigfisch“, antworte ich darauf.

„Teriyaki-Billigfisch? Was soll das denn sein?“, kommt als Frage zurück.

„Naja, der billigste Fisch aus dem Supermarkt mit Teriyaki Sauce“, schicke ich.

„???“, Markus versteht nicht, was ich meine.

Mein Mann schenkte mir vor Kurzem ein Kochbuch, das ich unbedingt haben wollte. Online sahen die Rezepte alle so einfach aus und ich hatte mir gewünscht, ich könnte irgendwann in ferner Zukunft eine gute Köchin werden.

Früher dachte ich immer ich hätte kein Talent für das Kochen. Wirklich Spaß machte es mir auch nie und meine Gerichte schmeckten eher gewöhnungsbedürftig. Doch heute stellte ich fest, es lag weniger am Kochen selbst, als mehr an den Umständen unter denen ich Selbiges tat.

Wie konnte mir kochen Freude bereiten, wenn ich bei jedem Gericht, das mir das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ, als erstes die Bestandteile auf jegliche Verstöße gegen meine Ernährungsvorgaben prüfen musste?

Ich liebe Lasagne, aber Tomaten kann ich  kaum noch essen. Die enthalten zu viel Histamin. Es hieß: kreativ werden. Ich tauschte die Tomatensauce einfach durch eine Champignon-Sahne-Sauce aus, was gar nicht schlecht schmeckte. Dabei vergaß ich nur, dass ich praktisch in jedem Gericht Lebensmittel durch andere ersetzen musste. Nun ja, am Ende aßen wir dreimal die Woche XYZ mit Sahnesauce – völlig gleich, was die Grundzutaten waren…

Dazu kommt, dass Erwerbsminderungsrente einem nicht unbedingt viele finanzielle Freiheiten einräumt. Ich kaufe Lebensmittel nicht nach der Priorität “schmeckt mir”, sondern danach, was ich mir leisten kann. Das oberste Gebot ist: möglichst gut für möglichst billig essen. Natürlich achte ich dabei darauf, dass ich verschiedene Fleischsorten mit unterschiedlichen Beilagen zu mir nehme. Immer ist das trotzdem nicht drin. Wenn mein Kochbuch von mir Teriyaki-Lachs erwartet, kann ich dieser Aufforderung nicht nachkommen, denn Lachs zu kaufen, wäre höchstens was für Feiertage und dann esse ich ihn doch lieber im Restaurant, wo die Wahrscheinlichkeit kleiner ist, dass er anbrennt oder ungenießbar wird. Koche ich selbst, weiß keiner so genau was am Ende dabei herauskommt. Also gibt es Teriyaki-Billigfisch – was auch immer im Supermarkt am wenigsten kostet.

Neben den Kosten für Lebensmittel und den umfangreichen mastzellspezifischen Einschränkungen, kommt der Energieaufwand, den kochen mit sich bringt, hinzu. Mindestens 30 Minuten lang in einer unphysiologischen Körperhaltung Grünzeug zu schnippeln, umzurühren und anzubraten, lässt mich schnell an meine Belastungsgrenze kommen. In der Unachtsamkeit passieren Unfälle, die meist mit einem Lächeln, manchmal mit Verbrennungen ersten Grades am Kopf ausgehen.

Erst vorgestern wagte ich mich an ein neues Gericht heran, das Hühnerbouillon in der Soße erwartete. Im Eifer des Gefechts erhitzte ich das Wasser im Wasserkocher, füllte es in einen Shaker, schloss den kleinen Ausgang am oberen Ende und fing an zu schütteln. Nach wenigen Sekunden sprengte der Verschluss auf und mir spritzte die kochende Brühe ins Gesicht. Man müsste meinen, jemand der eine Ausbildung im Bereich „Labor“ hat, wüsste, dass man das Gesicht eher nicht über heiße Flüssigkeiten hält… Doch ich war vom Tag ausgelaugt und mein Gehirn funktionierte nur noch auf Sparflamme. Während ich im Badezimmer kaltes Wasser in mein Gesicht laufen ließ, kochte mir natürlich der Rest meiner Kreation über. Ich setzte mich daraufhin wütend fluchend auf einen Stuhl, packte mir ein Ice-Pack, das ich immer im Kühlschrank habe, auf den Kopf, setzte eine Mütze auf, und versuchte vom Essen zu retten was noch zu retten war.

Nein, kochen liegt mir wirklich nicht.

 

2 Kommentare
  1. ines sagte:

    oha, liebelein!!!

    bei uns läuft es so, dass mein mann immer sagt, ich solle bitte nicht kochen – er müsse sonst die küche renovieren.

    du bist nicht allein … wenn auch aus einem anderen grund.

    sorry 4 u! holy shit; du sagst es ganz richtig.

    schicke dir eine umarmung

    ines, die hofft, dass es diesmal klappt mit dem beweis, dass ich mit spam-bot nix anner mütze habe ;-)

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    • karinabutterfly sagte:

      Hallo liebe Ines,
      scheint geklappt zu haben. :)
      Ich muss fairerweise auch sagen, dass ich selbst in meinen noch gesunden Tagen nie wirklich gern gekocht habe. :)
      Gruß

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