von Karina Sturm 

In meinem letzten Beitrag habe ich euch davon erzählt, wie viele Situationen es in meinem und dem Leben vieler anderer chronisch Kranker gibt, die Angst auslösen. Oft stehen wir mit unseren Ängsten ganz alleine da und müssen gesunde Wege finden, mit diesen umzugehen. Solche Bewältigungsmechanismen können für jeden Betroffenen anders aussehen. In diesem Blogpost möchte ich euch kurz von den 12 Strategien erzählen, die mir dabei helfen Ängste abzubauen. 

1. Tagebuch/Journaling 

Seit meiner Kindheit ist mein wichtigster Begleiter mein Tagebuch. Jede schlechte Erfahrung, die ich nicht mit meiner Familie oder Freunden teilen will, schreibe ich in mein Journal. Sobald ich darin ordentlich geflucht, geweint oder geschrien habe, geht es mir auch schon deutlich besser. Mein Tagebuch ersetzt einen Boxbeutel, den ich leider nicht mehr benutzen kann.

Journaling wird auch von Experten im Rahmen der Traumabewältigung  und zum Stressabbau empfohlen.

2. Tai Chi/Meditation 

Nie war ich der Mensch für langes und stilles Sitzen, aber meine chronischen Schmerzen haben mich dazu bewegt, geführte Meditationen auszuprobieren und danach fühle ich mich meist gelassener. Es gibt sogar Meditationen, die explizit dazu dienen, Traumata abzubauen und loszulassen. Da in meinem Leben viele negative Erlebnisse und kleine Traumata entstehen, finde ich die Meditation einen wenig aufwändigen Weg diese zu verarbeiten und loszulassen. Tai Chi funktioniert für mich ähnlich. Durch die konzentrierte Durchführung der komplexen Bewegungen habe ich meist gar keine Möglichkeit mehr an irgendetwas zu denken. Und genau das ist es, was gut tut: Nichts denken. 

Es gibt Studien, die Meditation als hilfreich zur Angstbewältigung beschreiben. Gleichermaßen soll sich Tai Chi positiv auf Stress und Angst auswirken. 

3. Volunteering 

Ich habe vor zwei Jahren angefangen wöchentlich einen Bewohner im Altenheim zu besuchen, um einfach nur ein bisschen zu plaudern. Dieser Mensch gibt mir immer wieder einen ganz neuen Blick auf mein Leben und die Welt. Meistens habe ich das Gefühl, dass ich diejenige bin, die am meisten von unseren kleinen Treffen profitiert. 

Auch Studien sehen viele Vorteile für das Wohlbefinden von Volunteers selbst. 

4. Ablenkung 

Kleinere Ängste vor z. B. medizinischen Untersuchungen, die zu Komplikationen führen könnten, verdränge ich meist durch Ablenkung mit allen möglichen Dingen, die lange fällig waren. Zum Beispiel ringe ich mich dann dazu durch die fällige Steuererklärung zu machen oder endlich den Schrank auszuräumen. 

Psychology Today bestätigt, dass Ablenkung ein erfolgreicher Coping-Mechanismus bei Angst ist.

5. Netflix 

Ach wie froh ich bin, dass es neben dem furchtbaren Fernseh-Nachmittagsprogramm mittlerweile Streaming-Services wie Netflix gibt. Wenn ich mal gar nicht weiß, wohin mit mir und meiner Angst, dann begebe ich mich in die Welt der Zombie-Apokalypse oder widme mich einem komplexen Dokumentarfilm, der meinem Kopf keine Möglichkeit lässt für angstvolle Gedanken. 

6. Ordentlich heulen und schreien 

Ich heule selten aus Trauer, aber was ich gut kann, ist aus Wut zu weinen. Manchmal hilft es mir auch dem Ärger einfach Luft zu machen und ordentlich zu schreien, zu fluchen und alles raus zu lassen. Das gönne ich mir selten, aber wenn, dann richtig. Da fliegt auch mal ein Gegenstand. 

Während ich für diesen Beitrag ein bisschen akademische Literatur zur Angstbewältigung gelesen habe, ist mir aufgefallen, dass ich bereits viele von Experten empfohlene Strategien zum Angstabbau unbewusst in mein Leben integriert habe.

Das therapeutische Schreien gibt es z. B. im Zusammenhang mit ”Primal-Therapie” zum Stress- und Angstabbau. 

7. CBD-Öl 

Hochkonzentriertes CBD beruhigt mich und dämpft Angst für ein paar Stunden. CBD-Präparate (ohne THC) gibt es mittlerweile freiverkäuflich und manche Schmerzpatienten haben damit auch Erfolg bei der Schmerzbehandlung.

Zum Gebrauch von CBD zur Angstbehandlung gibt es mittlerweile viele Studien. So umstritten Cannabis-Produkte für andere Bereiche sind, die positive Wirkung von CBD auf Angst scheint recht sicher nachgewiesen zu sein. 

8. Hunde (oder alternativ andere Tiere) kuscheln 

Wer ist nicht glücklich, wenn er einen kleinen Hundewelpen streichelt? Wenn ich einen schlechten Tag habe und mir alles zu viel ist, gehe ich mit meinem Mann in einen Hundepark, unterhalte mich mit den Hundehaltern und darf dafür im Gegenzug unzählige Hunde streicheln. Balsam für die Seele. 

Und natürlich gibt es Studien, die zeigen, dass Therapien mit Hunden Ängste deutlich reduzieren können. 

9. Baden und ein Glas Wein 

Ein gutes Bad und danach ein Glas Wein entspannt mich fast immer. Dazu ein Buch, das mich vollständig einsaugt und ich denke an nichts anderes mehr. Ich bin dazu übergegangen, Sonntags einen Tag Wellness einzulegen. Das heißt für mich, ich schaue einen schönen Film, mache ein paar Gymnastikübungen, lege mich in die Badewanne, trinke ein Glas Wein danach und ab und an gibt es noch eine Pizza obendrauf. Solche Tage tun gut und helfen im Alltag mit einer chronischen Krankheit psychisch stabil zu bleiben. 

10. Musik und dazu laut singen 

Ich kann nicht singen, aber ich gröle gerne lauthals zu Heavy Metal (zumindest wenn mich niemand hört). Eine gute Portion In Flames macht mich meistens glücklich. 

11. Etwas Gutes für andere Menschen tun 

Das klingt vielleicht komisch, aber an Tagen mit viel Angst oder Wut bin ich besonders freundlich zu meinen Mitmenschen. Warum? Weil es gut tut zu sehen, wie andere Menschen glücklich sind. Das gibt mir ein wohliges Gefühl und meinen Mitmenschen auch. 

12. Raus an die Luft und ins Leere laufen 

Als ich keinen Sport mehr machen konnte, fehlte mir plötzlich ein wichtiges Ventil, um Stress abzubauen. Wenn ich heute große Sorgen habe, gehe ich oft ausgiebig spazieren und bleibe irgendwo auf einer Bank sitzen und genieße die frische Luft. Das hilft mir abzuschalten. 

Diese Strategien ersetzen natürlich keine professionelle Beratung oder Behandlung bei einem Psychologen, aber für mich waren sie bislang der Schlüssel dazu, keinen Fachmann zu benötigen. Ich weiß woher meine Ängste kommen und wie ich mit diesen umgehen kann ohne dass sie mich überwältigen. 

Welche hilfreichen Methoden habt ihr entwickelt, um mit der Angst umzugehen?

2 Kommentare
  1. Manuela Schneider sagte:

    1) KREATIVES TUN, schönes erschaffen
    2) Freunde, sie sind mein Wind unter den Flügeln
    3) Bücher schreiben, denn da kann ich die Story bestimmen
    4) versuchen mit dem möglichen Tod klar zu kommen und bis dahin meine Träume leben
    5) Musik als Seelenheiler
    6) die Gedanken an die nächste OP verdrängen so gut es geht
    7) neue Ziele stecken
    8) das Wissen, dass andere auch in dem Boot sitzen, wir sind nicht alleine

    Antworten
    • karinabutterfly sagte:

      Hallo liebe Manuela,

      danke dass du deine Tipps mit uns teilst. Schreiben hat für mich bei der Angstbewältigung den höchsten Stellenwert. Aber alle deine anderen Strategien kann ich so auch unterschreiben. :)

      Gruß,

      Karina

      Antworten

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