von Karina Sturm.

Disclaimer: Möglicherweise ist dieser Post für Betroffene von Essstörungen aufwühlend. Ich spreche über mein Gewicht, eine neue Diät und meine Gefühle rund um mein Übergewicht. Falls dieses Thema für euch und eure Erkrankung negativ beeinflussend sein sollte, bitte an dieser Stelle nicht weiterlesen.



Heute ist es soweit. Meine erste wirkliche Diät beginnt. Warum? Dank meiner chronischen Krankheit, dem Ehlers-Danlos-Syndrom, und dem daraus resultierenden Bewegungsmangel in Kombination mit meinem Hang zu gutem Essen, habe ich über die letzen Jahren ordentlich an Gewicht zugelegt. 

Ich habe aufgehört mich dafür zu schämen, dass ich etwas mehr auf den Rippen habe. 

Hauptsächlich deshalb, weil ich meistens größere Probleme hatte, als mich um mein Gewicht zu scheren. Doch mittlerweile bin ich an dem Punkt, an dem ich mich selbst nicht mehr richtig wohl in meiner Haut fühle und ich finde das sollte der einzige Grund sein, um etwas an seinem eigenen Gewicht ändern zu wollen. 

Zusätzlich hat jedes Kilo mehr auch einen negativen Effekt auf meine ohnehin fragilen Gelenke. 

Das ist die rationale Begründung dafür mich wieder in Richtung Normalgewicht zu bewegen. Und mittlerweile sprechen auch die Ärzte dieses Problem an. Meine Hausärztin hat mich letztlich überzeugt, dass es keinen besseren Zeitpunkt als jetzt gibt, um ein paar Kilos loszuwerden, denn mein Zustand wird nicht besser und je weniger ich mich bewege, desto mehr nehme ich zu.  

Lasst uns über Zahlen sprechen.

Frauen soll man bekanntlich nicht nach ihrem Gewicht fragen, aber wenn wir schon über Diäten und gesunde Gelenke sprechen, kann ich euch dieses Detail nicht vorenthalten. Es ist ja nicht so, als würde man die zusätzlichen Kilos nicht ohnehin sehen. Mittlerweile bewege ich mich zwischen 77 und 81 kg hin und her. Als die Waage zum ersten Mal mehr als 80 kg angezeigt hat, erschrak ich wirklich. So viel hatte ich noch nie gewogen und schnell war klar, dass es jetzt Zeit ist zu handeln. Mit 1,74 m liegt mein BMI nun bei 26 – nicht krankhaft erhöht, aber doch deutlich über der oberen Norm. 

Eine Frau mit kurzen braunen Haaren und einer Blume im Haar steht vor einer Klippe auf Angel Island. Hinter ihr ist eine Landzunge mit vielen grünen Bäumen.
Karina im Mai 2019.
79 kg

Ich musste früher nie auf mein Gewicht achten oder gar das Essen einschränken.

Ich hatte immer viel Sport gemacht und war ständig in Bewegung. Nach einem anstrengenden Beachvolleyballwochenende gab es dann auch mal zwei Tage hintereinander eine große Pizza mit extra Käse. Alles kein Problem. Erstmals leicht zugenommen hatte ich während der Ausbildung zur MTLA. Damals saß ich den ganzen Tag in der Schule und zusätzlich gönnte ich mir beim abendlichen langen Lernen gerne mal eine Tafel Milka Noisette, meine Lieblingsschokolade. Zu der Zeit lag mein Gewicht meist zwischen 65 und 70 kg. 

Mir geht es aber gar nicht um Zahlen, sondern rein um mein Wohlbefinden.

Mit 65 kg fand ich mich selbst ganz ansehnlich. Ich habe in meinem Leben noch nie Erfahrungen damit gemacht, dass irgendjemand mit mir über mein Gewicht gesprochen hätte – weder auf positive noch negative Art. Daher hatte ich kaum das Bedürfnis mich mit anderen zu vergleichen und eiferte auch nie diversen Size-Zero-Models nach. Ich mochte mich so wie ich war. Auch mit 70 kg war ich noch einverstanden. 

Dann kam EDS und mein Gewicht stieg und stieg.

Von einem Tag auf den anderen konnte ich keinen Sport mehr machen und manchmal kompensierte ich negative Gefühle mit Schokolade. Keine gute Kombination. Auch die Darmstörung ausgelöst durch das Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS) führte nur in der Akutphase in 2015 dazu, dass ich kurzfristig auf 64 kg zurückfiel bevor ich mich dann weiter nach oben bewegte. Vor ein paar Wochen kam dann der Punkt, an dem ich für mich entschied, dass ich mich gesünder ernähren will und zumindest wieder unter einen BMI von 25 möchte.

Eine junge Frau mit braunen, kinnlangen Haaren steht vor einer Wand der National Institutes of Health in den USA. Sie trägt eine kurze, geblümte Hose, Adidas Schuhe, und hat an beiden Oberarmen einen Verband.
Karina an den National Institutes of Health 2015.
65 kg

Die Herausforderung. 

Meine Hausärztin schickte mich also zu ihrem Kollegen. Der ist ein DO (Doctor of Osteopathic Medicine) und spezialisiert auf die ganzheitliche Behandlung von chronischen Erkrankungen. Er hat relativ schnell verstanden, was ich von ihm will: Ein Ernährungskonzept, das

  • vereinbar ist mit meinen ganzen Erkrankungen (histaminarm zwecks MCAS, laktosearm zwecks Laktoseintoleranz, usw.)
  • machbar ist ohne körperliche Aktivität, weil ich nicht mehr viel mehr machen kann, außer spazieren zu gehen.
  • mit relativ wenig finanziellem Aufwand durchführbar ist (aus offensichtlichen Gründen).

Der arme Mann hatte da eine ganz schöne Herausforderung vor sich. Trotzdem hatte er relativ schnell einen Vorschlag. 

Meine Diät.

Ich soll jeden Tag 3000 Schritte zurücklegen – nicht viel mehr und auch nicht weniger – und alle zwei Wochen um 200 Schritte erhöhen. Er meinte ganz ohne Bewegung ginge gar nichts und vielleicht würde das dazu führen, dass ich generell fitter werde. Zu diesem Punkt bin ich generell etwas skeptisch, weil ich egal wie sehr ich versucht habe meinen Körper fit zu halten, über die Jahre trotzdem immer weiter abgebaut habe. Er schien auch nicht zu verstehen, dass EDS ein Spektrum ist und nicht jeder EDSer die Möglichkeit hat seinen Körper aufzutrainieren. Wir werden sehen wie weit ich komme. Ich will es zumindest versuchen. 

Der zweite Schritt wird sein, ein Ernährungstagebuch zu führen und aufzuzeichnen, was ich wann esse und welche Lebensmittel gut oder schlecht für mich sind. Ich soll außerdem eine Stunde pro Tag in der Sonne sitzen. Den Faktor ”möglichst nackt” musste ich leider streichen, da ich weder unsere jugendlichen Mitbewohner im Apartment über uns verschrecken will, noch 19 Grad Außentemperatur für mich warm genug für FKK ist. Weiterhin muss ich eine 24-Stunden-Fastenperiode einlegen, während der es nichts außer Wasser gibt. Das ist der Plan für die ersten vier Wochen. 

Eine Frau mit kurzen, braunen Haaren steht auf einer Decke in einem Garten und trägt ein weißes, dezentes Hochzeitskleid. Sie hat eine rote Blume im Haar.
Karina im Sommer 2016 in ihrem Hochzeitskleid.
70 kg

10 kg in 10 Monaten?

Das Ziel ist zehn bis 15 Kilogramm Gewicht zu verlieren in den nächsten zehn bis 15 Monaten. Ob ich das schaffe? Ich weiß es nicht. Ich habe einige Stärken, aber Disziplin in Bezug auf Essen gehört nicht dazu. Ich liebe gutes Essen und probiere gerne internationale Spezialitäten oder genieße mein sommerliches Weizen in meinem Garten.

Motivation, wo bist du nur?

Ich war selten so unmotiviert und motiviert zugleich. Das macht keinen Sinn, aber während mir völlig bewusst ist, dass ich abnehmen will und das vermutlich auch kann, suche ich im selben Moment in der Wohnung nach der Schokolade, die mein Mann auf meinen Wunsch hin versteckt hat, weil ich meine Tage habe und mein Gelüst nach Schokolade da besonders ausgeprägt ist. Ich kann kaum glauben, dass der Verzicht auf Schokolade für mich eine größere Herausforderung sein soll, als all die riesigen Hürden, die ich wegen des Ehlers-Danlos-Syndroms überwinden musste. 

Und das war Tag Eins. Nur noch rund 400 Tage bis zum Ziel… 

Wusstet ihr, dass es bald einen Film über EDS geben wird? Nein?

Dann lest hier.

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