Screenshot eines Zoom-Meetings mit Ian Harding (links im Bild), ein Mann mit kurzen, braunen Haaren und einem Vollbart, und Karina Sturm (rechts im Bild), eine Frau mit rasierten, braunen Haaren und großen Ohrringen.

Von Karina Sturm.

Als Journalistin für ABILITY Magazine habe ich über die letzten Monate viele unglaubliche Menschen interviewen dürfen – meist Behindertenrechtsaktivisten, deren Arbeit ich nicht nur bewundert, sondern manchmal gar verehrt habe. Ich kann kaum noch zählen, wie oft ich gesagt habe: “Das war eines meiner Lieblingsinterviews.” Ich liebe meine Arbeit und ich liebe all die großen und kleinen Begegnungen mit Menschen, die auf unterschiedliche Weise die selben Ziele verfolgen. Ich hätte nicht gedacht, dass sich diese Liebe für den Journalismus/Aktivismus noch steigern lässt – doch dann kam das Interview mit Ian Harding, mein erstes Gespräch mit einer Hollywoodgröße.

„Who the Fuck ist Ian Harding?“ 

Zugegeben nicht meine beste Reaktion auf die E-Mail von Susanne, die mich fragt, ob ich für ihren Dokumentarfilm vor der Kamera stehen will und mir daraufhin erzählt, dass der bekannte Schauspieler Ian Harding ein Teil des Teams sein wird. Der Name sagt mir gar nichts. Ich google. 5 Millionen Insta-Followers? „Wow, ich bin wirklich ganz schön alt geworden“, denk’ ich mir. 

Ian ist anders als die meisten Gesunden. 

Eine Woche später logge ich mich in eine Zoom-Meeting ein und werde freundlich begrüßt von keinem geringeren als Ian Harding – besser bekannt als Ezra Fitz aus Pretty Little Liars, wie ich mittlerweile weiß. „Wie ist dein Schmerzlevel heute?“ ist das Erste, was Ian mich fragt. Ich bin überrascht. Keine gesunde Person, die mich oder meine Lebensumstände nicht wirklich kennt, hat mich jemals gefragt, wie meine Schmerzen gerade sind. Ian klingt ernsthaft interessiert. „Ich habe eine ziemlich beschissene Woche“, antworte ich ohne lange nachzudenken. 

#PeriodTalk. 

Wenige Sekunden später höre ich mich über meine Periode sprechen. Warum? Das weiß ich im Nachhinein echt nicht so genau. Ian fragt mich, weshalb meine Woche so rau ist. Ich überlege kurz, wie ich sagen kann, was ich sagen will – nämlich, dass eine Woche pro Monate, die sieben Tage meiner Menstruation, generell zu mehr Schmerzen führt – ohne das Wort ‚Periode‘ zu erwähnen, entscheide mich dann aber dazu, einfach direkt zu sagen, was Sache ist. Ich erkläre Ian, dass meine Hormone meine Gelenkstabilität beeinflussen und der Zeitraum rund um meine Periode besonders schmerzhaft ist. Wir lachen ordentlich, als Ian anfängt mir und den zwei anderen Mädels im Meeting Fakten zur Menstruation zu erklären. Dass ich einmal mit einem Hollywoodstar über meine Periode reden würde, hätte ich auch nicht gedacht. Aber es gibt wohl für alles ein erstes Mal. 

Ians Lupus Advocacy. 

Während des Videocalls sprechen wir über das Filmprojekt, das in Kollaboration mit dem Verein Chronisch Cool e. V. stattfindet und über Ians Arbeit mit der amerikanischen Lupus Foundation. Mit dem Beginn seiner Karriere engagierte sich Ian mehr und mehr für allerlei Awareness-Projekte rund um Lupus. Das liegt daran, dass Ian mit einer Mutter aufwuchs, die selbst an Lupus erkrankt ist. Er hat dadurch eine ganz andere Perspektive von chronischer Krankheit und Behinderung als die meisten Schauspieler, was auch erklärt, weshalb seine erste Frage an mich nicht die typische amerikanische Floskel ‚How are you?‘ war, sondern wie es mir schmerztechnisch geht. Ian wurde quasi von einem Tag auf den anderen zum Teeniestar als er in der Serie Pretty Little Liars ‘Amerikas beliebtesten Pädophilen’, – wie Ian seine Rolle in der US-Show beschreibt – den Lehrer Ezra Fitz, spielt. 

20 Minuten später muss Ian los. Er zieht gerade um. Bevor er auflegt, zeigt er uns noch kurz all die Kartons, die in seiner Küche stehen. Wir verabreden ein Interview für den kommenden Samstag. 

Wie interviewt man einen Hollywoodstar?

Ich bin ein wenig nervös. Viele berühmte Schauspieler habe ich noch nicht getroffen. Vor ein paar Jahren, hatte ich einen Kaffee mit dem deutschen Schauspieler und Musiker Tom Beck. Und für meinen Film hatte ich eine kurze Unterhaltung mit Cherylee Houston, eine Schauspielerin aus England. Jemanden der in einer weltweit bekannten Serie mitspielt, habe ich noch nie getroffen. Ein Kollege und Freund erinnert mich daran, dass ich schon viele wichtige Menschen interviewt habe, wie z. B. Haben Girma, Raul Krauthausen, Rita Ebel aka die Lego-Oma und Athlet Roderick Sewell. Der einzige Unterschied: Diese Menschen haben alle mit Behinderung und Aktivismus zu tun. Ich bin vor jedem Interview nervös, aber wenn es um ein Thema geht, über das ich viel weiß und das mir offensichtlich am Herzen liegt, dann gewinnt die Passion über der Furcht. Ian ist ein Advokat und Aktivist wie all die anderen Menschen über die ich schreibe. Ich beschließe daher Ian einfach genauso zu behandeln wie jeden meiner Interviewpartner.  

Interviewe ich Ian oder interviewt Ian mich?

Ein paar Tage später ist es dann soweit. Ian ist pünktlich. Er sitzt auf seiner Couch, streicht sich durch die strubbeligen Haare und erzählt mir, dass er seinen Pyjama trägt. Das bringt mich zum Lachen, denn auch ich bin ganz im Corona-Outfit: Oben rum geschminkt, mit Bluse; unten rum in der Jogginghose mit fluffig-warmen Wollsocken. Immerhin trage ich Parfüm – das ist Tradition, auch wenn es niemand durch Zoom riechen kann. Das Eis scheint gebrochen. Doch bevor ich meine erste Frage stellen kann, fängt Ian an mich zu interviewen. Er hört sich selbst nicht gern reden und ist mehr interessiert an den Geschichten anderer Menschen, sagt er. “Netter Kerl”, denke ich mir. 

Heavy Metal und brennende Fotoalben.

Immer wieder, wenn ich nicht aufpasse, schweift das Gespräch ab und Ian stellt mich in den Mittelpunkt. Er fragt mich welche Gegenstände ich mit auf eine einsame Insel nehmen würde. Tatsächlich habe ich mir darüber noch nie Gedanken gemacht. Intuitiv antworte ich, dass ich wohl ohne Heavy Metal nicht überleben würde. Überrascht entgegnet Ian: “Ok, Moment. Zurück, zurück. Heavy Metal?” Und schon finde ich mich in einer Konversation über meine Lieblingsbands wieder und Ian erzählt mir von seinem Zusammenstoß mit dem Leadsänger von Rage Against the Machine. Was Ian mit auf eine einsame Insel nehmen würde? Seine zwei Hunde, eine Axt zum Feuer machen, ein Buch und ein Fotoalbum mit Bildern seiner Familie und Freunde, das er entweder dazu nutzen würde, um melancholisch dahinzusiechen oder als Holzersatz zum Verbrennen. Wir lachen viel. Ian würde gerne eine lustige Rolle spielen. Ich kann nur zustimmen.

Meist gehütete Geheimnisse.

Neben diesen eher belanglosen Fragen, gehen wir im Interview auch tief in Ians Arbeit als Advokat für die amerikanische Lupus Foundation ein; wir sprechen über Ableism und akkurate Sprache rund um Behinderung. Nach 90 Minuten, die Ian sich an einem Samstag Zeit für unser Interview genommen hat, stelle ich meine letzte Frage: Was ist die eine Sache, die du heimlich tust und von der keiner jemals erfahren sollte? Ian lacht und sagt: “Natürlich fragst du danach.”

Was Ians ‘Geheimnis’ ist und was ihn zu einem so großartigen Schauspieler und Aktivist macht, könnt ihr selbst herausfinden.

Teil 1 des Interviews mit Ian zum Thema Karriere, Advocacy für Lupus und Ians Zeit in Deutschland: 

ABILITY Magazine Story

Welche Dinge Ian mit auf eine einsame Insel nehmen würde, was er von Ableism und Heavy Metal hält, könnt ihr in Teil 2 des Interviews für ABILITY Magazine lesen: 

Teil 2 mit Ian

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