Von Karina Sturm.

In einer Serie von Blogbeiträgen erzähle ich von meinem neuen Leben in Quarantäne, dem ganz normalen Wahnsinn während einer Pandemie, der überraschenden Barrierefreiheit, die plötzlich auftaucht, als niemand mehr im Büro oder an der Universität sein darf, und wie ich mit der Angst rund um den Virus umgehe. In diesem dritten Teil der Serie will ich weniger reden und mehr zeigen. Es soll um Quarantäne-Bewältigungsmechanismen gehen.

Die Ungewissheit – nicht zu wissen was kommt oder wie schlimm es wird – ist für mich zurzeit der größte Stressfaktor. Aber auch die Frage: Werde ich krank? Oder gar: Überlebe ich das? Mit solchen Gedanken umzugehen ist selbst als stresserprobte chronisch Kranke irgendwie ein Ausnahmezustand. Eigentlich hat sich in meinem täglichen Leben nicht viel geändert. ‘Isoliert’ bin ich ohnehin meistens. Nur mit dem Unterschied, dass ich jetzt gar nicht mehr raus darf, während ich vor wenigen Wochen zumindest noch mit dem Taxi in die Stadt fahren konnte. 

Ungewöhnliche Situationen verlangen nach ungewöhnlichen Maßnahmen und neuen Bewältigungsmechanismen. 

Vieles von dem, wie ich mit alltäglichen Ängsten umgehe, lässt sich auch in Zeiten von Corona umsetzen. Meine Idee am Wochenende war aus dieser furchteinflößenden Situation etwas Positives werden zu lassen. Und so habe ich zum ersten Mal ein kleines Porträtfotoshooting geplant. Bilder von mir mag ich normalerweise nicht besonders. Aber die Idee ein Fotoshoot während eines historischen Ereignisses zu machen und damit meine Gefühle in Bildern festzuhalten, war überzeugend. Und der Fakt, dass meine Nachbarschaft gerade wie ausgestorben ist, hat geholfen. 

Karina, eine Frau mit kurzen, braunen Haaren schminkt sich im Spiegel.
Raus aus dem Pyjama und ein wenig Make-up aufgelegt.

Die letzten Wochen habe ich hauptsächlich im Pyjama verbracht. Meine Motivation war im Keller. Ich wusste nicht genau, wie ich mit der neuen Situation umgehen soll, obwohl sie meinem alltäglichen Leben doch recht ähnlich ist. Und so habe ich mich für unser Fotoshoot überwunden, ein wenig Make-up aufzulegen und meinen Pyjama für ein paar Minuten zur Seite zu legen.

Die Corona-Pandemie führt für mich zu einem Kontrollverlust, mit dem ich nur schwer umgehen kann. Praktisch zu sehen, wie es jeden Tag schlimmer wird, aber nicht zu wissen, ob es einen selbst treffen wird und wenn ja, ob und wie man aus der Sache wieder raus kommt, belastet mich stark.

Gerade mehr denn je ist mein Tagebuch mein engster Vertrauter. Schreibe ich meine Ängste nieder, werden sie automatisch weniger.

Seit mehreren Wochen verlasse ich meine Wohnung nur für Einkäufe oder Spaziergänge. Besuchen kann mich niemand. Mit der Isolation umzugehen ist nicht einfach. Um einigermaßen bei Verstand zu bleiben, telefoniere ich fast täglich mit Freunden auf der ganzen Welt.

Meine größte Hoffnung ist, dass diese Zeit vorübergeht und wir glimpflich davon kommen. Ich hoffe, dass ich nicht in die Situation komme, jemanden zu kennen, der an COVID-19 verstorben ist. Nach Lachen ist mir seit Wochen nicht zumute, aber ich versuche jeden Tag zumindest einen schönen Gedanken zu haben, eine schöne Sache zu unternehmen. Und dankbar für alles zu sein, was ich habe.

Manchmal ist es seltsam aus dem Haus zu gehen, und alles blüht, es ist sonnig und warm, die Vögel zwitschern. Und ich habe dieses mulmige Gefühl, als würde die Welt untergehen. Diese Widersprüche machen diese Pandemie so surreal für mich.

Ich habe das Gefühl, dass ich ich diese Porträtreihe für lange Zeit in Erinnerung behalten werde. Ein kleines Stück Schönheit und Freude zu finden, hilft mir mit allem umzugehen.

Was macht ihr, um mit der Isolation klar zu kommen?

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1 Kommentar
  1. Pia sagte:

    Liebe Karina,

    eine wirklich schöne Frau mit ebenso schön geschriebenen, nachdenklichen Gedanken. Danke für Deinen Text!
    Ich finde mich in Deinen Zeilen wider. Besonders bei dieser Diskrepanz zwischen der Schönheit des Frühlingswetters und der unsichtbaren Bedrohung.

    So wie Du lebe ich ja auch meistens im Schlafanzug, verlasse ihn vermutlich noch seltener, weil ich außer Freunden, die daran gewöhnt sind, mich meistens liegend zu sehen, sowieso meisten keine “offiziellen” Menschen treffe.

    Mein Transporter wurde mir heute zurückgebracht von dem, der schon mal ein Fenster montiert hat. Ich bin sehr froh darüber, denn nun kann ich meine Krafthäufchen darin verbringen und selber schon mal die nackten Wände isolieren. Noch 5.000 Schritte bis zum chemiearmen Wohnmobil, meinem MCS-Mobil ;-) Das gibt mir ab morgen dann einen Hauch Gefühl, daß nicht alles stagniert.

    Ich wünsche Dir und allen, die Du kennst, daß Ihr coronafrei bleibt!

    Alles Liebe über den Teich von Pia

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